GOLDRAUSCH VOR DER HAUSTÜR

Mehr als sein halbes Leben sucht Markus Liechti nach dem edelsten aller Metalle. Er findet es in Schweizer Bächen und an Stellen, an denen man es nicht für möglich hielte. Kein Mensch wisse um das wohl «fairste Gold der Welt» – das will er ändern.

«Kein einziger anderer Goldschmied ist so nah am Gold, wie ich es bin», ist Markus Liechti überzeugt. Die meisten seiner Zunft hätten noch nie in ihrem Leben natürliches Rohgold gesehen, geschweige denn verarbeitet, sagt er, duckt sich und verschwindet im Kellergeschoss des Mehrfamilienhauses unweit von Bern. Kaum durch den Türrahmen hindurchgegangen, über dem die eingeschweisste Warnung «Achtung Kopf!» steht, macht man einen langen Hals. Das fahle Licht umreisst Werkbänke, befüllte Behälter und Gitterkon struktionen, von denen man nicht ahnt, wofür diese gut sein sollen. Es sieht aus wie in einer Werkstatt. Aber auch wie in einem Chemielabor … oder wie in einer Küche. In der Tat ist es von allem etwas: Markus Liechti verarbeitet hier in archaischer Handarbeit Nuggets aus der Schweiz zu Schmuck. Es sind hauchfeine Flitter, die über Jahrmillionen in Goldadern im Gestein schlummerten, bis die Witterungskräfte sie Stück für Stück abtrugen, forttransportierten, zerkleinerten – und irgendwann in die Schleuse von Markus Liechti schwemmten. Diese für den Laien rätselhaften «Gitterkonstruktionen» sind Waschrinnen, mit deren Hilfe er in Flüssen Gold schürft. Die Ausrüstung kann man zwar kaufen, doch wandelt er diese nach seinem Gutdünken ab, indem er unter anderem zusätzliche Teile anschweisst. Hat er etwas ausgetüftelt, kann er es kaum erwarten, es zu testen: «Am besten sofort!», lacht der gelernte Maschinenbauingenieur. Er hat sein Verfahren über die Jahre perfektioniert, sodass ihm möglichst kein Körnchen der Kostbarkeit aus dem reissenden Gewässer entwischt. Führt er technische Schikanen aus, erinnert der Schwall seiner erklärenden Worte an jenen von Flüssen, in denen der unermüdliche Schatzsucher tagelang in Gummistiefeln watet. Beharrlichkeit ist eine vorausgesetzte Eigenschaft, bedenkt man, dass die Erdkruste pro Gesteinstonne nur etwa 0,004 Gramm Gold enthält.


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