Austausch von Enthusiasmus

Einst in der Luxusmodewelt zuhause, kreiert Felix Doll heute minimalistischen Fairtrade-Schmuck, aus dem der Geist der sozialer Inklusion glänzt, jenseits von Gendernormen. 

In einer Jacke, deren orange Farbe aus Leuchtmarkern herausgekleckert sein muss, und einem Shirt, dessen Print den Blick in die Oberkörpermitte lenkt, steht Felix Doll zwischen dem Naturgrau des Berner Sandsteins. Die schreiende Buntheit seiner Erscheinung steht im krassen Kontrast zu den unaufdringlichen Schmuckstücken, die er kreiert. Gerade hat er die Vitrinen im «Swiss Design Market» mit Ohrhängern, Armreifen und Ringen bestückt, die vorderhand wirken, als würden sie den Regeln der Geometrie folgen, um sie an spezifischen Stellen umso vehementer zu brechen. Kreisende Winkel, gezirkelte Ecken. 

Es ist sein erstes Interview innert sechs Jahren, also seit der Gründung seiner Schmuckmarke, für die er mit seinem Namen einsteht. An Anfragen mangelte es zwar nicht, doch gab man sich seitens der Publizierenden mit Antworten auf schriftlichem Weg zufrieden. «Doch eigentlich schade …» ­bemerkt einer, der vom zwischenmenschlichen Austausch zehrt: Vom Zuhören, welche Geschichte Paare verbindet, die sich von ihm Verlobungsringe aus Feingold anfertigen lassen. Vom Einfühlen, welches Design seiner Kollektion der Persönlichkeit entspricht. Vom Miterleben der Liebe auf den spontanen Blick, für die insbesondere Messepräsentationen Gelegenheit eröffnen. Felix Doll gibt sich dem Moment ­völlig hin, wenn ein Schmuckstück von seinen ­Händen in andere Hände übergeht. Der Moment, an dem dessen neues Leben beginnt, das wahrscheinlich länger dauert als sein eigenes. «Irgendwann, wenn ich längst nicht mehr da bin, findet jemand in Japan einen Ring von mir in Grossmutters vererbter Schatulle …», sinniert Felix Doll über Langlebigkeit. Seit zwei Jahren schiesst er zur Erinnerung ein Polaroid­foto von jeder Person, die sich für ein Schmuckstück von ihm entschieden hat, wodurch er auch Anteil nimmt an Lebensereignissen. «Dieser Austausch von Enthusiasmus, treibt mich an.»



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